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Selfpublishing – Notlösung oder Demokratisierung der Buchlandschaft?

Hallo zusammen!

Wie alle Autor*innen, die ihre Werke öffentlich machen wollen, stehe ich vor der Frage, ob ich ins Selfpublishing gehe, oder mich bei Verlagen bewerbe.

Dem in Eigenregie publizierten Roman haftet der Ruch mangelnder Qualität an.
Wenn ich erzähle, dass ich Romane schreibe, werde ich stets gefragt, wo ich die denn veröffentliche. Meine Antwort, dass ich bisher keinen Verlag habe, resultiert in einem müden Nicken und einer Körpersprache, die ganz klar sagt: Na, dann ist es auch nichts.

Qualität, darum geht es hier.

Ohne Verlag, keine Qualität. Das scheint so in den Köpfen zu stecken.
Ist das, was die Verlage liefern, denn Qualität?
Und wie ist das überhaupt, als Autor*in über einen Verlag zu publizieren?

Seitdem ich etwas mehr Einblick in die Welt der Bücher erhalten habe, weiß ich, dass die Verlage ihren Autoren unheimlich viel diktieren. Sie lassen kürzen und umschreiben, bestimmen das Cover etc. pp.
Typischerweise halten sie sich auch an die Autoren, die bereits bei ihnen unter Vertrag sind, bitten diese, doch noch ein Werk zu schreiben. „Same same, but different“ habe ich in diesem Zusammenhang mehrmals auf der Frankfurter Buchmesse gehört.
Im Klartext heißt das: Derselbe Sch*** wie immer.

Das erzeugt bei manchen Leser*innen das Gefühl, dass Krimis, Thriller und Romance, die zu den meistgelesenen Sparten überhaupt zählen, häufig an Stangenware erinnern. „Kennst du einen, kennst du alle“, habe ich dazu schon mehrmals gehört.
Die Plots sind vorhersehbar und überraschen nicht mehr. Wer den Kniff schafft, eine interessante Figur oder Wendung einzubauen, sticht schon aus der Masse hervor.

Das erinnert ans große Kino.
Die Plots werden auch hier ad infinitum iteriert. Wirklich Neues produzieren die großen Studios nicht mehr, denn einen Flop zu viel können auch die Riesen heutzutage nicht mehr riskieren.
Das Gros der Kund*innen ist mit dieser Unterhaltungs-Massenware zufrieden, egal ob bei Lektüre oder Film. Die großen Publikumsverlage drucken entsprechend hohe Auflagen, die Blockbuster Marke Avengers incl. Merchandising finden ihre Zuschauer und Abnehmer.
Die Top-Autoren haben viele, viele Leser, die Schauspiel-Ikonen sind gefühlt in jedem Film zu sehen.

Die Frage ist, ob das Verlagswesen mit Geschichten umgehen kann und mag, die anders sind. Erdrücken sie mit ihrer Marktmacht einen nicht unerheblichen Teil der Kreativität? Drängen sie Werke, die anders sind, an den Rand?
Ich denke, die Antwort lautet Jaein. Es gibt auch unzählige kleine und Independent-Verlage, die gerade das Ungewöhnliche Suchen. Nur bekommen die nicht unbedingt viel Aufmerksamkeit.

Doch so oder so entstehen viel mehr Manuskripte, als hinterher veröffentlicht werden. Jetzt könnte man sagen, das sei halt alles nicht gut genug, aber das bezweifle ich doch stark, allein schon, weil es genug richtig gute Selfpublisher gibt, kleine wie große. Manche sind sogar Überzeugungstäter.

Hier können die Autor*innen schreiben, wie und was ihnen gefällt. Von den Verfechtern des Selfpublishing ist dann davon die Rede, dass man sich die kreative Freiheit bewahren will.
Dazu habe ich erst gestern auf der Frankfurter Buchmesse Sam Feuerbach gehört, der vom Selfpublishing nicht nur absolut überzeugt, sondern damit auch super erfolgreich ist. Doch: Wäre er das auch, wenn er sich nicht hätte etablieren können?

Auch ich sehe im Selfpublishing den Vorteil, dass ich meine Vorstellungen zu 100% durchsetzen kann.
Und doch: Es ist umständlich, zeitaufwändig, kostet viel Geld und es gibt absolut keine Erfolgsgarantie.
Außerdem drängen nun wirklich viele Autor*innen über das Selfpublishing an den Markt. Ich höre immer wieder Klagen, dass es dort zig super bewertete Werke gibt, die überhaupt nicht taugen.
Allerdings hat das Selfpublishing nicht das Monopol auf miese Werke, um es mal vorsichtig zu sagen.

Selfpublisher, die es ernst meinen, gehen sehr professionell vor. Sie lassen ihre Werke testlesen, lektorieren und korrektorieren und suchen sich Coverdesigner und Layouterinnen.
Sie machen auch ihr eigenes Marketing. Ganz große Könnerinnen machen sogar ihr eigenes Artwork, da gibt es Kapitelzieren, Figurenzeichnungen, Postkartenmotive und und und. Ich finde das so dermaßen anbetungswürdig und wundervoll, weil alles aus einem Guss kommt! Diese Künstlerinnen sind hochmotivierte und engagierte Einmannkapellen (bitte verzeiht das generische Maskulinum an dieser Stelle).
Am Ende kommt sehr wohl Qualität heraus!
Aber hallo!

Was bleibt dann noch vom Leben mit Familie, Job und Hundkatzemaus?
Doch lieber zum Verlag, der mich aus der Hölle des Selbstmarketings errettet, alles Drum und Dran erledigt und mir dann noch das Prädikat der QualitätTM anheftet?
Wie viel würde ich an meinen Chroniken ändern, wenn ein Verlag das von mir verlangt?
Würde ich mich „verbiegen“?
Wie lange soll ich auf die Verlagsantwort warten? Ein halbes Jahr ist branchenüblich! Bis zur Veröffentlichung vergehen locker noch einmal ein bis zwei Jahre!
Irre!

Diese Fragen stellen sich für mich tatsächlich, denn Band 1 der Crawford-Chroniken liegt bei der Fantasy-Lektorin eines DER deutschen Publikumsverlage, nachdem es einen Mittelsmann aus der übergeordneten Verlagsgruppe überstanden hat.

Klar, das heißt nicht, dass sie es nehmen, aber was wäre, wenn?
Ist der Verlag besser?
Was passt zu mir, die Hierarchien nicht mag und sich ungern einer irgendwie gearteten Autorität unterordnet?

Ganz offen gesagt: Ich weiß es nicht.
Das sind die Probleme von Zukunfts-Cor.

Ich weiß nur, was ich auf der Buchmesse erlebt habe:
Kleinverlage waren interessiert an dem bebilderten Gedicht-Büchlein von Sabine und mir. Ich denke, wir werden Angebote erhalten, aber Sabine hat schon gesagt, dass es unserem Werk wahrscheinlich nicht guttut. Wir geben es aus der Hand, es wird eines von vielen, irgendwo zwischen anderen Lyrikern, und wir bekommen dafür kaum mehr als nen Appel und nen Ei. Dabei könnten wir es doch auch selbst vermarkten, uns auf Ausstellungen mit dem Buch und Sabines Bildern als Gesamtkunstwerk präsentieren, wie ich es dieses Jahr bereits in Rudolstadt getan habe, und was eine absolut tolle Erfahrung war.

Kleinverlage? Ich gehe zu einem hin, frage nach, Antwort: kompletter Annahmestopp für Manuskripte.
Anderen, bei denen ich eigentlich wegen des Lyrikbands war, darf ich tatsächlich mein Manuskript zusenden. Einfach so, ohne Exposé und all diese Schikanen.
Doch gelten dort lockerere Regeln? Wäre ich dort freier?

Ich habe auch einen Großverlag erlebt, da wurden die Augen verdreht, als wir die Damen hinterm Tresen – zugegebenermaßen aus Jux und Dollerei – angesprochen haben. Man legte uns mit höflicher Geduld einen Zettel vor, wie wir das Buch formschön einreichen sollen. Die Lektoren dieser Verlage haben übrigens ihre eigene Etage, abseits des Publikums. Da kommt niemand ohne Einladung hin.

Beim Selfpublisher-Verband herrschte Aufbruchstimmung mit Konfetti.
Und das ist die wirklich wichtige Botschaft, die ich von der FBM mitnehme: Diese Leute glauben an die Qualität ihrer Werke, und dass sie diese bei ihren Mitgliedern fördern können.
Schwarmintelligenz und gegenseitige Hilfe machen es möglich.
Ich würde sogar sagen, dass ich da einen erhobenen Stinkefinger in Richtung der Großverlage gespürt habe.
Vielleicht wird Selfpublishing den Buchmarkt umkrempeln. Es scheint, dass es mehr und mehr den Weg aus der Schmuddelecke findet.
Auch hier wird sich letztlich Qualität durchsetzen.

Ich habe Sam Feuerbach gehört. Der sagte (sinngemäß): „Du kannst es doch erstmal im Selfpublishing auf den entsprechenden Plattformen einstellen. Wenn es dann von einem Verlag genommen wird, kannst du es immer noch rausnehmen. Das ist nur ein Klick.“

Und damit potenzielle Leser direkt sehen, ob meine Bücher ihnen zusagen, werde ich zu gegebener Zeit Leseproben zur Verfügung stellen. Ich habe nichts zu verstecken.

Vielleicht wäre das auch ein Weg, um dem Selfpublishing generell zu mehr Qualität und Transparenz zu verhelfen, damit die Leser keine Enttäuschungen mehr erleben (obacht: in Enttäuschung steckt das Wort „täuschen“). Es gibt Mittel und Wege, sich 5-Sterne-Bewertungen für ein Buch zu erschleichen, doch wenn damit Leser*innen in die Irre geführt werden, ist das fürs Selfpublishing und am Ende doch auch für die entsprechenden Autor*innen nur von Nachteil.

Ich jedenfalls bin ganz hibbelig und will jetzt endlich raus mit dem ersten Band der Crawford-Chroniken.

Macht’s Euch gemütlich
Eure Cor

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