Nach meinem weitgehenden Rückzug aus den sozialen Medien ist es um mich scheinbar ruhig geworden, doch das täuscht. Die Crawford-Chroniken haben die 1 Million-Wörter-Marke geknackt und ich und meine Krähen sind putzmunter und touren lustig über Rollenspieler-Cons und Buchmessen, aber der Reihe nach.
Erste Schritte: Vom Selfpublishing zum Verlags-Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte
Im Dezember 2023 veröffentlichte ich den ersten Band der Chroniken (Die Krähen von Greengate) im SP, im April 2024 Teil zwei (König Krähe). Bei Insta hatte ich mir seit Sommer 2023 eine kleine Followerschaft aufgebaut, die beherzt zugriff und erste, meiner Meinung nach sehr wertvolle Rezis und Kritiken verfasste. Ein Verlagsangebot erreichte mich kurz nach der Veröffentlichung von Band 2 und flugs standen die Krähen unter Vertrag bei dem blutjungen Schweizer Verlag 8280-edition.ch. Im Juli 2024 kamen Band 1-3 (Goldglanz und Krähenschwarz) neu unter Verlagslabel an den Markt. In einem Buch würde hier ein neuer Absatz beginnen.
Erste Lesungen, erste Messen – Cor Nightingale live und in Farbe
Mitten während des Umstiegs von Selfpublishing auf Verlag begann ich, meine Bücher auf Buchmessen und Fantasy-Cons zu vermarkten. Die Krähenfee 2024 markiert meinen Einstieg mit kleinem Stand, meinem stummen Begleiter Krähe “Krähherr” und erster Lesung. Krähherr und ich tourten: Verlags-Buchmesse am Bodensee, PottPhantastika in Gelsenkirchen, BuchmesseCon in Dreieich und drei Veranstaltungen eines Künstlerkollektivs (über das wir im Netz keine Infos verbreiten), dem ich mich angeschlossen hatte, und das mir eine Plattform für meine Romane und Gedichte bietet. Nach diesem Jahr wusste ich, Buchmarketing am Stand liegt mir und das Publikum hat Bock auf die Crawfords und ihre Geschichte, die so randvoll ist mit Themen, die uns hier und heute bewegen.
SERAPH-Nominierung für “Die Krähen von Greengate”!
Anfang 2025 dann der Kracher: Eine Freundin gratulierte mir über Insta zur Nominierung für den SERAPH in der Kategorie bestes Debüt. Von da an konnte ich keine Nacht mehr ruhig schlafen, bis zur Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse Ende Februar. Den Preis sahnte die liebe Freya Petersen für “Die Mutter der Masken” ab und nach dem Motto: “Das Universum schuldet mir keinen Buchpreis”, sehe ich das ganz ohne Gram. Schon eine Nominierung für den wichtigsten Preis für deutschsprachige Phantastik ist ein Ritterschlag.
Fast schon Routine und doch jedes Mal neu: Messen in 2025
2025 fing also schon mal gut an und auch für dieses Jahr hatten Krähherr und ich einige Messeauftritte geplant. Inzwischen hatte sich auch der Krähenschwarm vergrößert: eine Dohle, eine Elster und eine Saatkrähe komplettieren nun das Setup des Messestandes, den Krähherr von seinem Ausguck überblickt. Krähenfee, RatCon, ReBuch, BuCon, PottPhantastika und zwei Veranstaltungen mit dem Künstlerkollektiv haben mir wieder lebhafte Unterhaltungen, denkwürdige Begegnungen und anständige Verkäufe beschert und mir ganz nebenbei vor Augen geführt, wie bunt, wertschätzend, klug und rücksichtsvoll die Menschen in der Fantasy-Bubble sind. Mein persönliches Highlight war die RatCon, die ich in den Nullerjahren (damals noch in Dortmund) als DSA-Fangirl von der anderen Seite der Stände erlebt und heiß und innig geliebt habe. Das Publikum auf der RatCon war enorm interessiert an den Inhalten meiner Bücher. Fantasy der anderen Art mit einer ehemaligen Räuberbande, deren psychisch teil ziemlich lädierte Mitglieder ein Feudalsystem auf den Kopf stellen und einen neuen Gesellschaftsvertrag aushandeln (?) … durchdrücken (?) … einfädeln (!) wollen, das weckt die Neugier und die Bücher wurden mir regelrecht aus der Hand gerissen. Ein weiteres Highlight war die PottPhantastika, zu der sich “meine” Illustratorin Janina Robben mit ihrem Stand neben meinen gesellte, so dass wir die Bücher doppelt signieren konnten.
Podiumsdikussionen zum Thema “Phantastische Frauen”
Gemeinsam mit Anette Schaumlöffel, die dieses Projekt ins Leben gerufen hat, Veronika Carver und Mary Stormhouse, allesamt leidenschaftliche und produktive Autorinnen und gleichsam kluge Köpfe wie souveräne Rednerinnen, trat ich auf der Krähenfee und BuCon mit kurzen Lesebeiträgen und Diskussionsrunden über Frauenrollen in der phantastischen Literatur auf, eine Erfahrung, die mich auf besondere Weise mit den drei Frauen und dem Publikum zusammengeschweißt hat und mir neue Perspektiven eröffnete. Ich fand es großartig! Im Nachgang hat sich sogar noch eine produktive Kooperation ergeben, dazu im nächsten Beitrag mehr.
Und was ist jetzt mit Insta und Co.?
Kurz gesagt: Liegt auf Eis. Der Aufwand, der für Postings und Community-Management erforderlich wäre, um damit eventuell etwas zu reißen, übersteigt mein Zeitkontingent und schlicht meine Lust, mich damit auseinanderzusetzen. Ich habe eine Handvoll Freundschaften über Insta geknüpft, die ich ins wirkliche Leben retten konnte. So treffe ich ein paar lieb gewonnene Menschen immer wieder auf den Messen und wir haben einen wunderbaren Austausch und verzehren vielleicht noch eine Pizza oder ein Stück Torte. Das reale Leben ziehe ich dem digitalen vor, da bin ich gern und mit mancher Überzeugung altmodisch.
KI ist ein Thema, das mit hineinspielt in meine Entscheidung, mich von den sozialen Medien erst einmal zurückzuziehen. Warum sollte ich im Digitalen gegen die Flut an täglich erscheinenden Büchern antreten, von denen niemand weiß, ob sie handgeschrieben sind oder nicht? Warum sollte ich stundenlang auf Insta liken und kommentieren, wenn ich damit kaum Verkäufe generiere? Warum sollte ich mir Weltuntergangs- und Idealmenscheninhalte und einen rasant wachsenden Anteil KI-Slop reinziehen, die mir neben dem Buch-Content ungefragt in den Feed gespült werden? Und umgekehrt: Wo tummeln sich die Menschen, die meine Bücher lieben könnten?
Ich weiß, einige Autor*innen fahren mit den digitalen Medien und dem weltgrößten Kaufhaus bestens. Ich weiß auch, dass sehr viele Künstler*innen, die digital aktiv sind, ausschließlich ihre handgemachten Werke anbieten und sich von KI komplett und glaubhaft distanzieren. Für mich steht aber fest: Aktuell sind die sozialen Medien für mich wirtschaftlich und inhaltlich unattraktiv.
Und um wenigstens eine meiner oben gestellten Fragen zu beantworten:
Die Menschen, die meine Bücher lieben könnten, tummeln sich auf kleinen aber feinen Buchmessen, Fantasy-Cons und Rollenspielertreffen. Reale Menschen begegnen einander im Realen, führen Gespräche von Angesicht zu Angesicht, teilen einander ihre Wertschätzung mit, fabulieren und schwelgen und tauschen lächelnd handsignierte Bücher unter Krähherrs wohlwollend-schweigsamem Blick.
Das ist meine Buch-Welt.

Phantastische Frauen. Veronika Carver, Mary Stormhouse, Cor Nightingale, Anette Schaumlöffel (v.l.n.r.)

Auf der PottPhantastika 2024 in Gelsenkirchen. Der Krähen-Schwarm ist bereits komplett mit Krähherr auf seiner Empore rechts im Bild. Ich trage Bernstein. Wer die Crawford-Chroniken kennt, weiß, diese Kette ist pure Rebellion. Warum der Hinweis “Die Horror Ecke” hinter mir hängt, müsst ihr mich schon persönlich fragen.
